LJR LANDESJUGENDRING RHEINLAND-PFALZ
ein schritt zurück www.ljr-rlp.de > Wir sind jetzt! > Fachliche Infos/Material 


 Die wichtigsten Ergebnisse aus dem Reichtums- und Armutsbericht Rheinland-Pfalz 2010

Der Bericht findet sich hier .

Der Bericht behandelt das Thema „Jugendliche“ im Kapitel 8 „Armut und Familien“ und Kapitel 9 „Armut und Kinder“.

Auf S. 272-373 befindet sich darin der Berichtsteil der LIGA der Wohlfahrtsverbände in Rheinland-Pfalz.

Auf S. 340 -345 befindet sich der Berichtsteil des DGB zum Thema prekäre Beschäftigung.

Wörtliche Zitate sind immer in Anführungszeichen.


Daten:

Rund eine halbe Million Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer – 14,5% - sind von Armut bedroht. Ihnen steht weniger als 60% des Durchschnittseinkommens zur Verfügung. Die Rheinland-Pfälzische Quote entspricht dem Bundesdurchschnitt – trotz der vielen Programme des Landes gegen Armut, die der Bericht aufführt (S. 104-124).

„Die kindliche Lebenslage wird sehr stark von der familiären (Einkommens)Lage und
dabei besonders vom Zugang der Eltern zum Arbeitsmarkt beeinflusst.
Zwischen der Einkommensarmut der Erwachsenen und der Armut ihrer Kinder besteht ein enger Zusammenhang.
Ursächlich für Kinderarmut ist stets die (Einkommens)Armut der Eltern.
Dafür gibt es erwerbsbezogene Gründe, wie zum Beispiel Langzeitarbeitslosigkeit,
Niedrigeinkommen oder prekäre Arbeitsverhältnisse. Und es gibt soziale Gründe, wie Überschuldung, Trennung, Scheidung, Krankheiten oder Sucht.
(...) Besonders hohe Armutsrisiken bestehen vor allem bei Alleinerziehenden, Familien mit drei oder mehr Kindern, Menschen mit Migrationshintergrund, bildungsfernen Familien und Familien in aufzuwertenden Stadtteilen“ (S. 94)

„Insgesamt lagen die Armutsrisikoquoten der Kinder und Jugendlichen in den Jahren
2005 bis 2008 stets über dem durchschnittlichen Armutsrisiko in Rheinland-Pfalz“ (S. 95).
Bei unter 18-Jährigen liegt das Armutsrisiko bei 18,2% - 4,3% mehr als beim Bevölkerungsdurchschnitt.
Für junge Menschen zwischen 18 und 25 liegt das Armutsrisiko noch höher – bei 20,5 % - also über einem Viertel der Altersgruppe. Beide Werte sind gegenüber dem Vorjahr (2007) angestiegen. (S. 95)

„Armut wirkt auf Kinder und Jugendliche aber anders als auf erwachsene Menschen.
Sie prägt den weiteren Lebensweg von Kindern und Jugendlichen einschneidender.
Besondere Risiken bestehen für Kinder im Hinblick auf Entwicklungsdefizite, Unterversorgung und soziale Ausgrenzung.
Je früher und je länger Mädchen und Jungen Armutsbedingungen ausgesetzt sind, desto größer sind die negativen Folgen für die spätere Lebensentwicklung. Und je später hier eingegriffen wird, desto schwerer wird es, armen Kindern vergleichbare Teilhabechancen wie ihren Altersgenossen zu bieten“ (S. 94).

„Je früher, je schutzloser und je länger Kinder einer Armutssituation ausgesetzt sind, desto geringer wird die Möglichkeit, individuell die eigenen Potenziale herauszubilden und sich Chancen für die Zukunft zu bewahren.
Die Armutsforschung weist nach, dass arme Mädchen und Jungen bereits im Vorschulalter
erhebliche Unterversorgung erfahren und doppelt so viele Auffälligkeiten
hinsichtlich der materiellen, sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Entwicklung
aufweisen“ (S. 100).

„Armut beeinflusst die materielle Versorgung des Kindes (Grundversorgung, zum Beispiel
in Form von Wohnung, Nahrung oder Kleidung), die „Versorgung“ im kulturellen Bereich (Bildung, zum Beispiel Arbeits-, Spiel- und Sprachverhalten), die Situation im sozialen Bereich (soziale Integration, wie zum Beispiel Kontakte und soziale Kompetenzen)
sowie die psychische und physische Lage (Gesundheit)“ (S. 100f.).

Mädchen erfahren aufgrund familiärer Armut noch stärkere Einschränkungen als Jungs. „Mädchen haben unter Armutsbedingungen die schlechteste Versorgungslage“ (S. 105).

Alleinerziehende sind nach den Arbeitslosen die am meisten von Armut bedrohte Gruppe. 44,2% von ihnen – in der Regel Frauen – steht weniger als 60% des Durchschnittseinkommens zur Verfügung (S. 80f.). Das trifft unmittelbar auch ihre Kinder.  41% der Alleinerziehenden in Deutschland erhalten Grundsicherung für Arbeitssuchende – der Anteil ist ungefähr viermal so hoch wie bei Zwei-Eltern-Familien mit minderjährigen Kindern (S. 82).

Ab dem 3. Kind steigt das Armutsrisiko deutlich: Rund ein Viertel (!) (24,6%) der rheinland-pfälzischen Familien mit drei oder mehr Kindern ist von Armut bedroht.
Zum Vergleich: Bei zwei Personen-Haushalten ohne Kinder liegt das Risiko bei 9,9%. Bei zwei Personen und einem Kind bei 9,5%, bei zwei Personen und zwei Kindern bei 8,5 % (S. 80f.).

Fehlende Bildungs- und Berufsabschlüsse erhöhen das Armutsrisiko erheblich.

Prekäre Arbeitsverhältnisse sind ein großes Armutsrisiko (befristete Arbeitsverhältnisse, Minijobs, Teilzeit, Leiharbeit). Kinder und Jugendlichen leiden darunter, wenn Eltern in solchen Verhältnissen arbeiten müssen. Jugendliche und junge Erwachsene sind oft selbst davon von prekärer Beschäftigung betroffen.

Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem Zugang zu materiellen Ressourcen  und dem Zugang zu Bildung. Armut verhindert Bildung, ein Mangel an Bildung schafft wiederum Armut.


Arme Familien und ihre Kinder (inkl. Jugendliche) sind häufig Opfer von Vorurteilen. Die Urteile sind falsch: Studien zeigen, dass ärmere Familien in der Regel zuletzt bei ihren Kinder sparen (S. 80).


Eine Studie der LIGA der Wohlfahrtsverbände in Rheinland-Pfalz zeigt, dass es bei Hartz IV ein hohes Maß an Leistungsmissbrauch gibt – und zwar nicht von Seiten der BezieherInnen: Bescheide sind zu oft fehlerhaft oder unverständlich, Beratung ist in zu vielen Fällen mangelhaft. Dadurch werden Anspruchsberechtigten Leistungen vorenthalten (S. 279 ff.) .

Armut bei Kindern und Jugendlichen ist oft unsichtbar, weil Eltern und Jugendliche sich für ihre Armut schämen und versuchen, diese zu verdecken.
Viele Anspruchsberechtigte machen ihre Ansprüche nicht geltend, weil sie sich für ihre Armut schämen, und weil sie sich nicht die Blöße geben wollen, gegenüber dem Amt bzw. der Agentur als BittstellerIn aufzutreten.

 
ein schritt zurück nach oben

 
Aktuell
Beschlüsse der 104. Vollversammlung am 09.04.2011 in Osthofen
Newsletter 6/2011 -         Eigenständige Jugendpolitik ist nötig - Alternatives Landtagshandbuch bei U36-Kaminabend des Landesjugendringes vorgestellt

Jugendsammelwoche 2012

  Impressum: LJR-RLP - 2004 / info at ljr-rlp dot de Level A conformance icon, W3C-WAI Web Content Accessibility Guidelines 1.0